Nach einigen schweren und kräftezehrenden Wochen habe ich nun wieder etwas Kraft gefunden, meine Gedanken niederzuschreiben. Der Verlust meiner Mutter und der Abschied von meinem treuen Begleiter Buddy haben einiges verändert und brauchen ihre Zeit.
Eigentlich wollte ich längst den zweiten Teil von „Zwischen Himmel und Schatten“ fertigstellen. Aber wie so oft im Leben kam etwas dazwischen. Bevor nun Weihnachten vor der Tür steht und ich plötzlich über Plätzchen schreibe, gibt es deshalb erst einmal ein anderes Thema:
Halloween, Geisterjäger oder christlicher Seelsorger?
Der zweite Teil von „Zwischen Himmel und Schatten“ kommt natürlich noch. Er muss nur noch ein kleines bisschen warten.
Aber keine Sorge, auf Instagram werden neue Artikel wie immer angekündigt.
Halloween, Dämonen und der jährliche Gruselboom
Mit dem Herbst beginnt jedes Jahr eine Zeit, in der Geister, Dämonen, Hexen und das Übernatürliche wieder verstärkt in den Mittelpunkt rücken. Spätestens rund um Halloween begegnen uns diese Themen überall in den sozialen Medien, im Fernsehen, auf Streaming-Plattformen und in zahllosen Berichten über paranormale Phänomene.
Halloween hat sich längst zu einem großen gesellschaftlichen und kommerziellen Ereignis entwickelt. Die historischen Hintergründe möchte ich an dieser Stelle nicht weiter vertiefen, denn darüber wurde bereits viel geschrieben. Viel interessanter finde ich eine andere Entwicklung: Warum sind Dämonen, Besessenheit, Befreiungsgebete und paranormale Erlebnisse plötzlich wieder so präsent ?
Halloween, Dämonen und Befreiung sind wieder in aller Munde
Seit einiger Zeit fällt mir auf, dass das Thema Dämonen und Befreiung deutlich stärker in den Mittelpunkt rückt als noch vor einigen Jahren. Lange Zeit schien es vergleichsweise ruhig geworden zu sein, doch inzwischen begegnet man diesen Themen wieder an vielen Stellen. Natürlich kann man sich fragen, warum gerade jetzt. Ich glaube auch, dass Halloween dabei wieder eine wichtige Rolle spielt. Gerade jetzt sieht man in den sozialen Medien, dass gefühlt jedes Ghosthunter-Team ein Halloween-Special ankündigt.
Sobald ein Thema Aufmerksamkeit erzeugt und viele Menschen erreicht, springen oft weitere Personen, Medien oder Gruppen auf diesen Zug auf. Das sehe ich durchaus kritisch. Denn nicht jeder, der heute über Spuk, Geister, Dämonen, Befreiung oder das Böse spricht, tut dies zwangsläufig aus den gleichen Beweggründen.
Dennoch sehe ich darin auch etwas Positives. Erfreulicherweise greifen inzwischen vereinzelt auch kirchliche Stimmen diese Themen wieder auf und setzen sich damit auseinander. Mein besonderer Dank gilt an dieser Stelle Prof. Ralph Weimann, Pater Hans Buob sowie Pater Klaus Einsle.
Wenn über solche Themen gesprochen wird und Menschen für die Gefahren von Okkultismus und anderen Praktiken sensibilisiert werden, halte ich das grundsätzlich für sinnvoll. Problematisch wird es für mich allerdings dann, wenn nicht mehr die Hilfe für den Menschen im Mittelpunkt steht, sondern Aufmerksamkeit, Reichweite oder Selbstdarstellung.
Auch wenn ich gerade wieder ein bisschen abschweife, bitte nehmt es mir nicht übel, komme ich zu einer Frage, die mich schon länger beschäftigt. Warum suchen Hilfesuchende eher Geisterjäger als christliche Seelsorger ?
Wenn Menschen ungewöhnliche Erlebnisse haben, von Erscheinungen berichten oder glauben, dass in ihrem Haus etwas nicht stimmt, wenden sie sich häufig an Ghosthunter. Deutlich seltener wenden sie sich an einen Seelsorger, und noch seltener vermutlich an einen christlichen Seelsorger. Warum ist das so? Diese Frage beschäftigt mich .
Ich war viele Jahre als paranormaler Ermittler tätig, oft auch Ghosthunter genannt. In dieser Zeit bekam ich regelmäßig Anfragen von Menschen, die seltsame Geräusche hörten, etwas Ungewöhnliches sahen oder andere Erlebnisse hatten, die sie sich nicht erklären konnten. Sie suchten bei mir Rat und Unterstützung.
Dann kam meine persönliche Veränderung. Ich bin zum christlichen Glauben konvertiert und habe daraufhin nicht nur meine persönliche Einstellung, sondern auch meine Homepage und meine gesamte Vorgehensweise verändert. Heute sehe ich meine Tätigkeit nicht mehr nur mit den Augen eines ehemaligen Ghosthunters. Meine Sichtweise und auch meine Art, mit solchen Erlebnissen umzugehen, haben sich grundlegend verändert. Neben meinen eigenen Erfahrungen spielen heute vor allem mein christlicher Glaube und andere fachliche Sichtweisen eine wichtige Rolle.
Warum dieser Wandel und die damit verbundene Umstrukturierung notwendig waren, erfahrt ihr im Blogbeitrag „Ein neues Kapitel“.
Was mir dabei besonders aufgefallen ist: Seit dieser Veränderung erreichen mich zwar weiterhin Anfragen, allerdings deutlich weniger als noch früher. Eigentlich könnte man erwarten, dass Menschen, die sich mit solchen Erlebnissen beschäftigen, auch einen Seelsorger als Ansprechpartner in Betracht ziehen. Meine bisherige Erfahrung zeigt jedoch, dass dies offenbar längst nicht selbstverständlich ist.
Ich vermute, dass mehrere Gründe eine Rolle spielen. Ein Ghosthunter wirkt für viele Menschen zunächst leichter erreichbar. Man findet entsprechende Teams schnell über Suchmaschinen, soziale Netzwerke, YouTube oder andere Plattformen. Die Kontaktaufnahme erscheint unkompliziert und das Angebot unmittelbar verfügbar. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass es mittlerweile unzählige Ghosthunter-Gruppen gibt, während diese zu damaliger Zeit noch an zwei Händen abzählbar waren.
Hinzu kommt die Erwartungshaltung. Wer einen Ghosthunter kontaktiert, erwartet häufig eine Untersuchung. Kameras werden aufgestellt, Geräusche aufgenommen und technische Geräte eingesetzt. Es entsteht der Eindruck, dass gemeinsam nach einer konkreten Ursache gesucht wird. Abgesehen davon ist jedoch wissenschaftlich nicht hinreichend belegt, dass die eingesetzten Geräte überhaupt geeignet sind, paranormale Phänomene objektiv zu erfassen oder wissenschaftlich zu belegen.
Ein christlicher Seelsorger verfolgt dagegen einen anderen Ansatz. Wenn sich jemand an mich wendet, geht es zunächst nicht darum, möglichst schnell einen Geist oder Dämon zu finden. Es geht um den Menschen. Ich möchte zuhören und verstehen, was die betroffene Person erlebt. Ich möchte die Erfahrungen ernst nehmen, ohne sie sofort als übernatürlich einzuordnen. Gleichzeitig gehört für mich dazu, auch natürliche Ursachen und andere mögliche Erklärungen zu betrachten.
Vielleicht ist genau diese Herangehensweise für manche Menschen weniger attraktiv. Denn wer Angst hat und nach einer Erklärung sucht, möchte möglicherweise nicht hören, dass zunächst viele Fragen offen sind. Manchmal möchte man eine schnelle und eindeutige Antwort.
Und genau diese klare Antwort versprechen manche Angebote schneller, als sie tatsächlich gegeben werden kann.
„Ghosthunter in den Medien: Warum das Thema so viel Aufmerksamkeit bekommt“
Ein weiterer Punkt ist die Rolle der Medien und Presse. Dabei handelt es sich ausdrücklich um meine persönliche Wahrnehmung und nicht um eine allgemeine Bewertung der journalistischen Arbeit.
Aus meiner Sicht lassen sich Berichte über Ghosthunter häufig leichter visuell darstellen. Ein nächtlicher Besuch in einem alten Gebäude, Kameras, Messgeräte, Dunkelheit, ungewöhnliche Geräusche oder möglicherweise rätselhafte Aufnahmen bieten viele Bilder und Geschichten, die sich für Fernsehen, YouTube oder soziale Medien eignen.
Spannung, mysteriöse Aufnahmen und ungeklärte Phänomene wecken naturgemäß Aufmerksamkeit. Das bedeutet jedoch nicht, dass Medien bestimmte Themen grundsätzlich bevorzugen oder bewusst andere Perspektiven ausblenden.
Seelsorge funktioniert dagegen grundlegend anders als klassisches Ghosthunting.
Bei mir steht an erster Stelle das persönliche Gespräch. Ich höre zu, stelle Fragen und versuche, die Situation und den Menschen dahinter zu verstehen. Je nach Situation kommen Gebete, Segnungen und sakrale Gegenstände hinzu. In Ausnahmefällen nutze ich bei paranormalen Fragestellungen auch Foto und Tontechnik zur Dokumentation.
Der große Unterschied liegt für mich in der Zielsetzung: Beim Ghosthunting stehen häufig die Untersuchung und mögliche Phänomene im Mittelpunkt. Bei meiner Arbeit steht der Mensch im Mittelpunkt. Technik ist dabei nur ein Hilfsmittel. Dadurch entstehen natürlich weniger spektakuläre Bilder. Aber weniger sichtbare Action bedeutet nicht weniger Arbeit.
Nicht alles ist paranormal
Gerade rund um Halloween wird vieles schnell mit Geistern, Dämonen und dem Übernatürlichen verbunden. Doch nicht alles, was unheimlich oder ungewöhnlich erscheint, ist deshalb auch paranormal. Für solche Phänomene gibt es aber keine festgelegten Zeiten. Sie treten nicht automatisch an Halloween auf. Trotzdem wird gerade diese Zeit von Medien und Teilen der Ghosthunter Szene stark mit Geistern, Spuk und paranormalen Erlebnissen verbunden. Ein Geräusch kann eine natürliche Ursache haben, Schatten können durch Lichtverhältnisse entstehen und Bewegungen durch Tiere oder technische Einflüsse. Auch Stress, Schlafmangel oder Ängste können die Wahrnehmung beeinflussen.
Auf psychologische Fachbegriffe und wissenschaftliche Erklärungsmodelle verzichte ich an dieser Stelle bewusst, da das den Rahmen sprengen würde. Wichtig ist mir: Erfahrungen ernst nehmen, ohne vorschnell eine Erklärung festzulegen. Nicht hinter jedem Schatten steckt ein Geist und nicht hinter jedem unheimlichen Erlebnis ein Dämon. Man sollte nicht vergessen, dass solche Beiträge oder Inszenierungen viele Menschen verunsichern oder ihnen sogar noch mehr Angst machen können.
Die Verantwortung gegenüber Hilfesuchenden
Ich wiederhole mich bei diesem Thema gerne, weil es gar nicht oft genug betont werden kann. Dabei möchte ich ausdrücklich nicht behaupten, dass jeder Geisterjäger inkompetent ist. Es gibt sicherlich Menschen in diesem Bereich, die sich ernsthaft mit der Thematik beschäftigen und verantwortungsvoll arbeiten. Genauso wenig bedeutet der christliche Glaube automatisch, dass jemand auf jede Frage die richtige Antwort kennt. Der Versuch, einen Austausch und eine Zusammenarbeit mit Ghosthunter aufzubauen, ist leider wiederholt gescheitert.
Was ich auch kritisch sehe, ist die Vermischung von echter Hilfesuche und Sensationslust. Ein Mensch, der Angst hat und nicht mehr weiß, was mit ihm oder in seinem Zuhause passiert, sollte nicht zusätzlich verängstigt werden, nur weil sich damit Aufmerksamkeit erzeugen lässt. Wer Hilfe sucht, sollte einen Menschen finden, der zuhört. Nicht jemanden, der ihm unbedingt eine spektakuläre Geschichte liefern möchte. Ein weiterer Unterschied ist, dass ich alles kostenlos anbiete. Im Gegensatz zu vielen anderen Ghosthuntern verlange ich kein Geld ganz gleich, ob es um Hilfe, Seminare oder andere Angebote geht. (Siehe FAQ)
Meine Sicht heute
Durch meinen eigenen Weg vom Saulus zum Paulus oder vom Ghosthunter zum christlichen Seelsorger hat sich meine Sichtweise grundlegend verändert. Ich kenne beide Seiten. Ich weiß, wie faszinierend okkulte und paranormale Themen sein können. Ich weiß auch, wie schnell man sich von ungewöhnlichen Geräuschen, Bildern oder Situationen beeindrucken lassen kann. Heute ist für mich jedoch etwas anderes wichtiger geworden.
Nicht die spektakulärste Aufnahme.
Nicht die meisten Klicks.
Nicht die größte Aufmerksamkeit.
Sondern der Mensch.
Vielleicht erklärt genau das auch, warum ich heute weniger Anfragen bekomme als früher. Meine Arbeit verspricht keine Sensation. Ich möchte niemandem einfach bestätigen, dass sich ein Geist in seinem Haus befindet. Ich möchte auch nicht vorschnell von einem Dämon sprechen. Ich möchte zuhören, hinterfragen und gemeinsam nach einem verantwortungsvollen Umgang mit dem Erlebten suchen. Und wenn am Ende die Antwort lautet, dass wir nicht wissen, was genau passiert ist, dann muss man auch das ehrlich sagen können.Denn manchmal ist ein ehrliches „Ich weiß es nicht“ wesentlich verantwortungsvoller als eine spektakuläre Erklärung.
Vielen Dank für eure Zeit und eure Geduld!
Und falls ich zwischendurch wieder mal etwas abgeschweift bin: Das war natürlich keine Absicht …Manchmal laufen die Gedanken einfach schneller als die Finger.
Grüße und Gottes Segen,
Udo